Impressionen 2017

Samstag, 29. April 2917 – Abschlusskonzert

Posaunen streicheln beim Finale des Kammermusikfestivals die Seele
Premiere mit OPUS 4 aus Leipzig zum Abschluss von sieben erfolgreichen Konzerten 2017

 

Mit einem besonderen Hörerlebnis endete das siebente Finsterwalder Kammermusikfestival, veranstaltet von der Stadt. Mit dem Quartett OPUS 4 aus Leipzig gab es die Premiere eines reinen Posaunenkonzerts in der Kammermusikreihe seit 2011. Mit Musik von der Renaissance und Barock über Bach und Beethoven bis zu Gershwin begeisterten die vier Musiker am Sonnabend zweihundert Besucher in der Trinitatiskirche. 

 

Zuvor zogen Festivalorganisatorin Johanna Zmeck und Bürgermeister Jörg Gampe ein positives Fazit des Festivals. Sechs Kammermusikkonzerte in vier Wochen mit den Themenschwerpunkt Beethoven und dazu zwei Kinderkonzerte lockten etwa 900 Besucher. Davon waren drei Konzerte im Logenhaus, dem traditionellen Spielort des Kammermusikfestivals, ausverkauft. Die Kinderkonzerte fanden großen Anklang bei Finsterwalder Schulen. Das Festival habe sich weiter erfolgreich unter Regie von Johanna Zmeck und Nassib Ahmadieh in der Sängerstadtregion etabliert, so Bürgermeister Gampe. 


Die positive Bilanz unterstrich das furiose Abschlusskonzert des 1994 gegründeten und europaweit erfolgreichen Posaunenquartetts OPUS 4. Alle Facetten ihrer Posaunenmusik begleitete das Publikum gespannt und applaudierte von Stück zu Stück begeisterter. In der festliche Eröffnung mit Claudio Monteverdis Deus in Adjutorium und den folgenden Renaissance-Stücke beeindruckten die Musiker mit perfektem und einfühlsamen Spiel und der virtuosen Beherrschung der von der Firma Jürgen Voigt aus Markneukirchen originaltreu nachgebauten ventillosen Barockposaunen. Es sei ein besonderes Vergügen, auf diesen Instrumenten seit 2012 als Dauerleihgabe der Firma spielen zu dürfen, so OPUS 4 Leiter Jörg Richter. Das Vergnügen war auch auf Seiten der Zuhörern. 


Nach dem beeindruckend gespielten ,,Deutschen Magnificat“ von Heinrich Schütz, wobei ,,OPUS 4“ den üblichen Männerchor durch seine Posauneninterpretation vergessen ließ, boten die Posaunisten mit ihrem Lieblingskomponisten Johann Sebastian Bach einen der Höhepunkte des Konzertes. ,,Obwohl Bach in seinem Schaffen die Posaune meist vergessen hat“, wie Jörg Richter scherzte. So streichelten er und seine Bläserkollegen Dirk Lehmann, Stephan Meiner und Wolfram Kuhnt mit ,,Toccata und Fuge“ in d-moll statt auf der Orgel mit ihren Kruspe-Orgeln mit weichem Klang die Seele, riefen eindringlich und jubilierten. Natürlich gehörte auch Ludwig van Beethoven zum Programm des Quartetts. Er war der durch alle Konzerte tragende Komponist in diesem Festivaljahr und war mit seinem Poster-Konterfei, geschaffen von Steffen Kazmierczak, neben den Musikern präsent. 


Begeistert begleitete das Publikum im letzten Konzertteil die spielfreudigen Musiker bei der rasanten Fahrt durch Broadway-Rhythmen von Daniel Sutton und expressiv-temperamentvoll geblasene Gershwin-Musik bis ins Konzertfinale. Natürlich zeigte sich das Quartett bestens vorbereitet auf Zugabewünsche wie mit dem furiosen ,,Säbeltanz“, bevor Bachs Choral ,,Es ist genug“ wirklich das Finale eines Konzertes war, das nicht nur Bläserexperten wie den ehemaligen Musikschulleiter Siegfried Fritsche und seinen vormaligen Bläserschützling Alexander Winzer beeindruckten. Erschöpft aber glücklich verabschiedeten sich die Opus 4 Bläser mit großem Lob für das Finsterwalder Kammermusikfestival. Die Organisatoren Johanna Zmeck und Nassib Ahmadieh, der am Finalsonnabend noch als Musiker im Barenboim-Orchester unterwegs war, stricken schon fleißig am Programm für das Kammermusikfestival 2018.   


Jürgen Weser

 

Sonntag, 23. April 2017

Mutig, emotional, mitreißend – das Konzert des Oberon Trios am 23. April

 

In dem im Jahr 2006 gegründeten Oberon Trio verbinden sich drei Musiker, die sich höchst erfolgreich in der internationalen Musikszene etabliert und sich zu einer faszinierenden Einheit zusammengefunden haben: die als Kammermusikerin, Konzertmeisterin und Solistin gefragte Geigerin Henja Semmler, die Cellistin Antoaneta Emanuilova mit ihrer regen Konzert- und Unterrichtstätigkeit sowie zahlreichen Engagements als Solocellistin führender Orchester und der Pianist Jonathan Aner, Professor für Klavierkammermusik an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin, der das Publikum im Fisnterwalder Logenhaus nach dem Eröffnungsstück, Ludwig van Beethovens Trio op. 11 in D-Dur, einem „Gassenhauer“, begrüßte. 

 

Dass diese drei Künstler ihre Leidenschaft für die Kammermusik und für das Klaviertrio-Repertoire teilen, war bereits nach den ersten Tönen offensichtlich. Nicht nur ihr imposanter gemeinsamer Klanf, auch ihre Körpersprache, die die ganze Zeit über die dem Stück zugrundeliegenden Emotionen wiederspiegelte, verzauberte die Zuhörerinnen und Zuhörer mit Poesie und Klangfülle. Über Charles Ives‘ Trio sagte Jonathan Arner, es sei eines der mutigsten Werke, das er kenne. Die Zuschauer spürten diesen Mut auf sich überschwappen, viele wippten im Rhythmus der Musik mit und ließen sich auf die „akustische Achterbahn“, die das Trio vorgab, ein. Das Stück spiegelt eine Philosophievorlesung wieder und zeigte in den einzelnen Abschnitten die Teile von Hegels Dialektik; These, Antithese, Synthese; auf. Jonathan Arner, der den Hinweis auf dieses Motiv zuvor an die Zuschauer gegeben hatte, machte dies besonders mit seinem Klavierspiel erkennbar. Nach dem modernen Stück, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts erschienen war, erklang nach der Pause das deutlich ältere Werk Joseph Haydns: Trio in Es-Dur Hob. XV.29. Zum Abschied, sollten eigentlich Ludwig van Beethvoens Variationen über „Ich bin der Schneider Kakadu“, ebenfalls ein einfaches Volkslied, das von ihm zum Material für ein kammermusikalisches Werk genutzt wurde, erklingen. Das Publikum forderte sich mit langanhaltendem Applaus und Fußgetrappel jedoch noch eine Zugabe ein, die es auch bekam: eine eigene Interpretation des Trios von Mendelssohns „Sommernachtstraum“ – die Ausdauer beim Applaudieren hatte sich auf jeden Fall gelohnt. 

 

Paula Vogel

 

Ostermontag, 17. April 2017

Mejo-Quartett überzeugt auch in veränderter Besetzung

 

Mit Johanna Zmeck am Klavier und Hartmut Schill als Vertretung für die 1. Violine, die sonst von Ulla Walenta gespielt wird, trat das Mejo-Quartett am Ostermontag in veränderter Besetzung auf, zeigte aber trotzdem ein sehr harmonisches Zusammenspiel. Sicherlich ist dies nicht zuletzt dem Umstand geschuldet, dass sich alle vier Streicher aus der Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz kennen, wo sie in vorderen Positionen engagiert sind. Auch Hartmut Schill, der kurzfristig einsprang, ist dort 1. Konzertmeister. Nach einer ersten eher zufälligen kammermusikalischen Zusammenarbeit im Jahr 2010, entwickelte sich bald eine regelmäßige Proben- und Konzerttätigkeit. Seitdem hat sich das Mejo-Quartett zum festen Bestandteil des Chemnitzer Musiklebens entwickelt. Mit ihrem zweiten Auftritt beim Finsterwalder Kammermusikfestival in diesem Jahr, bereits beim Kammermusik Festival 2014 waren sie in Finsterwalde zu Gast, sind sie nun auch beim Sängerstädter Publikum bekannt. Schwerpunkte in ihrem Repertoire bilden selten aufgeführte Werke der Spätromantik. Namenspatron des Quartetts ist der Begründer der Chemnitzer Orchesterkultur Wilhelm August Mejo (1791-1886). 

 

Am Ostermontag brachten die Vier das Streichquartett op.18 Nr. 4 in c-Moll von Ludwig van Beethoven auf die Bühne und konnten das Publikum nach den Darbietungen von Werken von Strauss und Schubert 2014 auch in diesem Jahr wieder überzeugen. Einen gewissen Heimvorteil in der Beethovenschen Musik können sich die Chemnitzer zuschreiben, schließlich kam Christian Gottlob, einst ein Lehrer van Beethovens, ebenfalls aus Chemnitz. Nach der Pause erklang, jetzt mit Unterstützung von Johanna Zmeck, Johannes Brahms‘ Klavierquintett in f-Moll op. 34. Mit lang anhaltendem Applaus dankte das Publikum den Künstlern ihr beeindruckendes Konzert und ließ dabei erkennen, dass man sich über weitere Kammermusikfestivaljahre mit dem Mejo-Quartett freuen würde.

 

Paula Vogel

 

Freitag, 07. April 2017

Zu Kammermusik kann also gewippt und geklatscht werden

 

Zuerst lief alles „nach Plan“. Damon Nestor Ploumis sang „An die ferne Geliebte“ und führte das schon an dieser Stelle begeisterte Publikum mit unterhaltsamen Anekdoten durch den Abend. Der Grieche, der in den USA aufwuchs und dessen Frau Dänin ist, bewies in deutscher, französischer, griechischer, englischer, italienischer und dänischer Sprache, dass er die internationalen Bühnen dieser Welt bestens kennt und es versteht, ein Stück von jeder mit nach Finsterwalde zu bringen.


Nach Liedern von Ludwig van Beethoven, Jacques Ibert und Maurice Ravel standen auch griechische Volkslieder auf dem Programm. Den größten Applaus und einige Jubelrufe erntete er jedoch für seine Interpretation von „I got Plenty o‘ Nutin‘“ und „If I were a rich man“. Am vermeintlichen Ende des Programms wartete er mit diesen weltbekannten Klassikern und einer dazu passenden Choreographie auf – sehr zur Freude der Zuhörerinnen und Zuhörer, die im Takt wippten und klatschten und den Bass-Bariton damit zu dem Urteil brachten, dass die Finsterwalder deutlich offener und stimmungsvoller auf spontane Programmergänzungen reagierten als anderes Publikum. Dabei hatte auch Gaswan Zerikly als Pianist des Abends sichtlich Spaß. Der arabisch-deutsche Konzertpianist und Klavierprofessor ist Lehrbeauftragter an der Musikhochschule „Franz Liszt“ und gründete 2015 seine eigene „Klavier Akademie Weimar“. Er bot dem Publikum unter anderem die berühmte Mondscheinsonate für Soloklavier, die ebenfalls großen Beifall fand. Die stehenden Ovationen und Jubelrufe des Publikums hatten sich beide verdient.

 

Paula Vogel

 

Freitag, 31.März 2017

Sonntag, 02. April und Montag 03. April 2017

Erfolgreicher Start für Ludwig van Beethoven in Finsterwalde 
Kammermusik-Festival erlebte am Wochenende zwei fulminante Konzerte im Logenhaus

 

Als Kulturstadt präsentierte sich Finsterwalde am Wochenende gleich mit mehreren Events. Lesung zu Peter Ensikats Werk, Percussion in Concert der Kreismusikschule und Frühjahrskonzert des Finsterwalder Frauenchors mit der Vokalgruppe Erbschleicher standen auf dem Programm. Das 7. Finsterwalder Kammemusikfestival startete fulminant mit zwei Konzerten und dazu mit zwei Kinderkonzerten am Montagvormittag. Die Kulturfreunde hatten die Qual der Wahl. 


Der Start mit Ludwig van Beethoven im Logenhaus begeisterte. Im 190. Todesjahr dominiert er  die Finsterwalder Kammermusikkonzerte bis zum 29. April und wird von weiteren Komponisten verschiedener Zeitepochen flankiert. Im Eröffnungskonzert am Freitagabend präsentierten Johanna Zmeck (Piano) und Nassib Ahmadieh (Violoncello) mit drei Sonaten aus verschiedenen Schaffensepochen Beethoven pur. Passend hatten die beiden künstlerischen Leiter des Festivals den Abend unter das Thema ,,Tradition, Revolution und Neuland“ gestellt. Großartig aufeinander abgestimmt führten die beiden Publikumslieblinge in Finsterwalde im ausverkauften Logenhaus (zahlreiche Kartenwünsche konnten nicht erfüllt werden) von Beethovens frühen französischen Revolutionsgedanken in der Sonate g-Moll, op. 5 als Widmung an den preußischen König Friedrich Wilhelm II.  mit Präsenz für den Klavierpart bis zum bereits ertaubten Beethoven als Wegbereiter der Romantik in der Sonate a-Dur mit gleichberechtigten Spielpartnern und dem besonders einfühlsamen Cello-Bogenstrich. ,,Es ist großartig, wie die beiden spielen“, schwärmte Bärbel Bosenius aus der Nähe von Bernau, die gemeinsam mit ihrem Partner und Sohn Jan Lukas sowie Tochter Anna aus Bernau zum Konzert gekommen waren. Beiden hat Nassib Ahmadieh als Musikschullehrer in Bernau die musiklische Tür geöffnet. Jetzt studieren sie an der Humboldt-Uni Berlin im Bereich Musik. Begeistert vom Spiel ,,auch der leisen Töne“ waren viele Stammgäste  des Festivals wie Bernd Schmidt aus Finsterwalde und Ulrike Ofner aus Herzberg. Stehende Ovationen  gab es als verdienten Lohn für zwei glückstrahlende Interpreten. 


Auch am Sonntagnachmittag war der Logensaal fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Das 2013 gegründete ,,Pelleas Ensemble“ aus Berlin mit Lisa Werhahn (Violine), Kirstin Maria Pientka (Viola), Titus Maack (Cello) und Elisabeth Grümmer (Oboe) nahm die Konzertgäste mit Oboe,Violine, Viola und Violoncello mit auf einen Streifzug durch die Musikgeschichte. Neben Beethovens Streichtrio D-Dur spielten die jungen Musiker, die als freie Musiker und in der Staatskapelle Dresden und Weimar musizieren,  mit Mozarts Quartett in F-Dur gefühlvoll eines ihrer Lieblingsstücke, führten zum etwas sperrigen Hans Gál und als Quartett zur Britten ,,Fantasy“. Nach dem stehenden Applaus am ersten Konzertabend forderte diesmal heftiges Trampeln die Musiker zur Zugabe. Mit Spaß und Einfühlungsvermögen gelang es ihnen am Montagvormittag, bei zwei Konzerten 230 Mädchen und Jungen von Finsterwalder Grundschulen und vom Sängerstadt-Gymnasiums an klassische Musik heranzuführen. 


Hochzufrieden sind Johanna Zmeck und Nassib Ahmadieh über den Start ins diesjährige Kammermusikfestival. Jetzt hoffen sie auf rege Kartennachfrage für den Liederabend mit Damon Nestor Ploumis am kommenden Freitagabend. ,,Er bringt den ersten Liederzyklus der Musikgeschichte ,An die ferne Geliebte' von Ludwig van Beethoven zum Vortrag“, freut sich Johanna Zmeck. Entstanden ist der Zyklus 1816 als Auftragswerk von Fürst von Lobkowitz als weltliches Requiem an seine verstorbene Frau. Der Liederabend wird vom renommierten Pianisten Gaswan Zerskly begleitet, der als Solopianist auch die berühmte ,,Mondscheinsonate“ darbieten wird. Chansons von Ibert und Lieder von Brahms und Strauss runden das Programm ab. Ein tolles Programm für die Sängerstadt, finden Johanna Zmeck und Nassib Ahmadieh.

 

Jürgen Weser