Impressionen 2018

Samstag, 07. April 2018, Weimarer Klavierquartett + Astrid Schütte

Fulminantes Abschlusskonzert: Weimarer Klavierquartett präsentiert Grieg, Schumann und Dvořák

 

„Es ist ein Geschenk auf diesem Flügel spielen zu dürfen“, erklärt Johanna Zmeck, die an diesem Abend in Doppelfunktion in der Finsterwalder Trinitatiskirche auftrat. Gemeinsam mit Nassib Ahmadieh, der das Publikum durch den Abend führte, hat sie die künstlerische Leitung des Finsterwalder Kammermusik Festivals seit acht Jahren inne. Zum ersten Mal war ein Steinway-Flügel Teil dieses Festivals, auf dem sie selbst als Pianistin des Weimarer Klavierquartetts spielte.


Zu hören gab es für die rund 250 Kammermusik-Freunde, die zum Abschlusskonzert in die Trinitatiskirche gekommen waren, zwei Klavierquintette. Das Fragment zu einem Klavierquintett von Edvard Grieg wurde von Michael Finnissy zu einem interessanten dreiteiligen Quintettsatz erweitert und vereint norwegische Folklore, Erinnerungen an die lyrischen Stücke für Solo-Klavier und Themen aus der Schauspielmusik 'Peer Gynt'. Der Bruch zwischen den Kompositionen Griegs und Finnissys war für das Publikum deutlich zu hören, so wie es Cellist Nassib Ahmadieh in seiner kurzen Einführung angekündigt hatte. Dem gegenüber stellten die Musiker des Weimarer Klavierquartetts und Astrid Schütte, die die vier an der Violine verstärkte, das wohl berühmteste Klavierquintett von Robert Schumann in Es-Dur op. 44. Mit einem langen Atem „erklatschte“ sich das Publikum schließlich noch eine Zugabe von Barbara Seifert, Jacob Tuscheerer, Nassib Ahmadieh, Johanna Zmeck und Astrid Schütte. Mit einem Satz aus einem Klavierquintett von Antonín Dvořák entließen die fünf Musiker ihr Publikum in den sonnigen Frühlingsabend und können sich, so konnte man es den Unterhaltungen auf dem Kirchenvorplatz entnehmen, auch im nächsten Jahr auf zahlreiche begeisterte Zuhörerinnen und Zuhörer freuen. Wer der prägende Komponist des 9. Finsterwalder Kammermusik Festivals werden wird, wird noch für einige Zeit ein Geheimnis bleiben. Dass Johanna Zmeck und Nassib Ahmadieh wieder eine gute Auswahl treffen werden, ob bei der Wahl des Komponisten oder der einzelnen Konzertbesetzungen, daran zweifelt niemand.

 

 

Ostermontag, 02. April 2018, Duo Sundal / Nies 

Julie-Marie Sundal und Johannes Nies nahmen das Publikum mit in die Heimat Edvard Griegs

 

Ein reines Grieg-Konzert bot das Duo Sundal/Nies am Ostermontag im Finsterwalder Logenhaus. Die norwegische Sängerin Julie-Marie Sundal, die von Johannes Nies am Piano begleitet wurde, sang auf Dänisch, Deutsch und Norwegisch. Das Herzstück des Konzertabends lag in Griegs Opus 67 „Haugtussa“ (Bergfee). Der von Grieg komponierte Liederzyklus, dessen Texte die Gedichte vom norwegischen Dichter Arne Garborg sind, erzählt die Geschichte eines Hirtenmädchens, das über hellseherische Fähigkeiten verfügt und in der norwegischen Natur umherwandert. 

Julie-Marie Sundal offenbarte die Erlebnis- und Gefühlwelt der „Haugtussa“ in beeindruckender Art und Weise und riss die Zuhörerinnen und Zuhörer, obgleich sie nichts vom Text verstehen konnten, emotional mit in ihre Wanderungen und ihre Emotionen. 


„Obwohl Grieg eine sehr deutsche Musikausbildung hatte, spricht die  für ihn typische Musik doch eine recht norwegische Sprache, die es leicht macht, seine Werke immer wieder zu erkennen“, erklärte Pianist Johannes Nies und machte in den von ihm dargebotenen Klavierstücken sehr deutlich, wie er zu dieser Annahme kommt. Die zunächst träumerischen und dann nahezu aufbrausenden Klänge, die beispielsweise in Griegs „Hochzeitstag auf Troldhaugen“ vorkommen, sind wohl eines der dafür eindeutigsten Beispiele. 


Die drei auf Deutsch getexteten Lieder von Heine, Geibel und Goethe zeigten dann aber doch Einflüsse seines in Leipzig absolvierten Studiums. 
Edvard Grieg soll einmal gesagt haben, dass seine Genialität im Komponieren von Liedern allein durch seine Inspiration entstanden sei. Diese Inspiration war ein Mädchen, das später seine Frau wurde und für ihn auf ewig die einzig wahre Interpretin seiner Lieder bliebe. Als Johannes Nies diese Anekdote im Logenhaus erzählt, runzelten vereinzelt  Zuhörerinnen und Zuhörer die Stirn. Sie mögen gedacht haben: Es ist ein Jammer, dass Edvard Grieg am Montag nicht im Logenhaus war, um Julie-Marie Sundal singen zu hören, vielleicht hätte er seine Meinung diesbezüglich geändert.

 

 

Freitag, 23. März 2018 – Trio bbb

Trio bbb überzeugt mit Haydn, Brahms und Grieg

 

Flötistin Kathrin Bäz-Lösch, Pianistin Melanie Bähr und Daniel Bäz (Fagott) verbindet neben den Anfangsbuchstaben ihrer Nachnamen vor allem die Musik. Sie bilden gemeinsam das Trio bbb und überzeugten am 23. März das Publikum im vollbesetzten Konzertsaal des Logenhauses von der Vielseitigkeit ihres Könnens. Das unterhaltsame und abwechslungsreiche Programm mit Werken von Joseph Haydn, Jan Koetsier, Johannes Brahms und natürlich Edvard Grieg, der als Komponist im Vordergrund des 8. Finsterwalder Kammermusik-Festivals steht, bescherte ihnen reichlich Beifall.

 

Die Kombination aus sanfter Querflöte und dominantem Fagott gefiel den Zuhörerinnen und Zuhörern. Vor allem Jan Koetsiers Trio für Flöte, Fagott und Klavier op. 81 ließ durch die schwungvollen und eingängigen Melodien manchen Fuß wippen. Die nach der Pause dargebotenen Kunstlieder erforderten eine intime Konzertatmosphäre, erklärte Daniel Bäz - die im Konzertsaal des Logenhauses und nach dem „Kennenlernen“ zwischen Publikum und Musikern bestens gegeben war. Schwungvoll wiederum entließ das Trio seine Zuhörerinnen und Zuhörer in den Freitagabend: Als Zugabe boten sie Tschaikowskis Tanz der Zuckerfee dar.

 

Das nächste Konzert der diesjährigen Festivalreihe findet am Ostermontag statt: ein norwegischer Liederabend, an dem Marie-Julie Sundal unter anderem Edvard Griegs einzigen Liederzyklus „Haugtusse“ („Bergfee“) in seiner und ihrer Muttersprache darbieten wird. Begleitet wird sie vom Pianisten Johannes Nies. Wenige Restkarten gibt es in der Touristinformation, online unter www.finsterwalder-kammermusik.de und an der Abendkasse.

 

 

Mittwoch, 07. März 2018 – 1. Kammerkonzert junior

Kammermusik junior: junge Streicher eröffnen die Konzertreihe regionaler Nachwuchstalente

 

Von Aufregung keine Spur – Johannes Schöne, der unterstützt von Uwe Krause musikalisch den Abend begann, wirkte eher souverän und voller Vorfreude. Seine Darbietung am Cello beeindruckt die Gäste von Beginn an und sollte damit ein passender Auftakt für den Abend sein: bei Kammermusik junior spielen zwar Schülerinnen und Schüler der Kreismusikschule und nicht wie bei den anderen Konzerten des Festivals professionelle Berufsmusiker, verstecken muss sich hier aber keines der regionalen Musiktalente. Viele von ihnen sind mehrfache Preisträger bei „Jugend musiziert“, andere bereiten sich derzeit auf das Studium ihres Instrumentes vor. Johannes Schöne, der nach seiner Solo-Eröffnung von Emily Köpke, Franz Krause und Carl Schwarz verstärkt wird, bildet gemeinsam mit ihnen das „Finsterwalder Celloquartett“. Bereits in den vergangenen Monaten hatten die vier Cellisten, die unter der Leitung von Nassib Ahmadieh ein Ensemble bilden, gemeinsame Auftritte vor Publikum und sind die Bühnenluft deswegen schon gewöhnt. Da in diesem Jahr Edvard Griegs Werke in den Vordergrund des Finsterwalder Kammermusik-Festivals gerückt worden sind, spielt das Cello-Quartett neben Julius Klengels Wiegenlied auch etwas von dem norwegischen Komponisten: „Lyrische Stücke für Klavier op. 12“ Arietta und Walzer.


Einen Komponisten der vergangenen Festivaljahre griff die jüngste Musikerin des Abends auf. Geigerin Jolina Große gab gemeinsam mit Uwe Krause Antonin Dvoraks Sonatine in G-Dur (op.100) und daraus „Allegro resoluto“ zum Besten. Das Publikum zeigt sich sichtlich beeindruckt von der Zehnjährigen, die das schnelle Stück und die dafür nötige Zusammenarbeit mit dem Pianisten wunderbar meistert.


Das erfahrenste Nachwuchstalent dieses Abends wird die Region bald verlassen. Lara Löser bereitet sich derzeit auf ihr Cello-Studium in Estland vor. Den Zuhörerinnen und Zuhörern von Kammermusik junior präsentierte sie Ludwig van Beethovens sieben Variationen über das Thema „Bei Männern, welche Liebe fühlen“. Auf dem Piano unterstütze sie Johanna Zmeck, die gemeinsam mit Nassib Ahmadieh das Festival künstlerisch leitet. Das Zusammenspiel der beiden signalisierte dem Publikum: Johanna Zmeck freut sich darauf, in Lara Löser bald eine professionelle Musikerkollegin zu haben.
Gazal-Marie Kücük bot mit ihrer Violine in Leo Portnoffs „Russiche Fantasie Nr.2 d-moll“ einen weiteren namhaften Komponisten dar.  Den Abschluss an Cello und Klavier bildeten Carl Schwarz und Laetitia Pilz.


Kammermusik junior findet in diesem Jahr erstmals als Erweiterung des „regulären“ Finsterwalder Kammermusik-Festivals statt. Die nächsten Konzerte beginnen am 14. und 21. März jeweils um 18 Uhr im Logenhaus. Zu erleben sind dann Nachwuchstalente der Bläser- und Klavierklassen der Kreismusikschule Gebrüder Graun. Die Karten sind ausschließlich an der Abendkasse erhältlich und kosten 5,00 Euro (ermäßigt 2,50 Euro).

 

 

Samstag, 03. März 2018 – Eröffnungskonzert

„Berlin City Brass“ eröffnen 8. Finsterwalder Kammermusik-Festival mit wunderbar abwechslungsreichem Programm in der Trinitatiskirche

„Musik ist angenehm zu hören, doch ewig braucht sie nicht zu währen.“ – an diesem Zitat von Wilhelm Busch orientieren sich Berlin City Brass beim Aufbau ihres Programmes und haben damit den Nerv des Publikums beim Eröffnungskonzert zum 8. Finsterwalder Kammermusik-Festival perfekt getroffen, einzig: sie hätten wohl noch deutlich länger zuhören können.


Ingo Klinckhammer, Elliot Dushman, Andra Fejer, Felix Wilde und Matthias Kühnle, der äußerst unterhaltsam durch das Programm moderierte, hatten es den Zuhörerinnen von Beginn an leicht gemacht, ihre Musik zu mögen und ihnen gespannt zu lauschen. Das gut gemischte Programm, das neben Sonaten und Swing auch romantische Klänge und Filmmusik enthielt, versprach beinah jede Vorliebe zu bedienen und verbreitete gute Laune im leicht fröstelnden Publikum – die Heizung der Trinitatiskirche war unglücklicherweise zuvor ausgefallen.


Dafür gab es wärmende Begrüßungsworte von Bürgermeister Jörg Gampe und Johanna Zmeck, die gemeinsam mit Nassib Ahmadieh die künstlerische Leitung des Festivals bildet. „Es ist endlich wieder Zeit für Kammermusik!“ sprach Bürgermeister Jörg Gampe die Vorfreude der Gäste aus und dankte im gleichen Atemzug den zahlreichen Sponsoren für deren Unterstützung. Johanna Zmeck freute sich sichtlich, dass das gemeinsam mit dem derzeit in den USA konzertierenden Nassib Ahmadieh gestrickte Konzept für die jährliche Festivalreihe aufgeht und von Jahr zu Jahr besser in Finsterwalde ankommt.
Eine bessere Besetzung für das Eröffnungskonzert als das Bläserquintett von „Berlin City Brass“ hätte es wohl kaum geben können: der Blechbläserklang passte wunderbar zur Akustik der Kirche und füllte diese auf angenehme Art und Weise aus.
Die Zuhörerinnen und Zuhörer mit weniger guter Sicht lehnten sich ab und an ungläubig nach vorn, um dann festzustellen, das im Altarraum noch immer „nur“ fünf Musiker am Werk sind und nicht etwa das einhundert Personen starke Orchester, für die die Sätze teilweise in der Originalfassung geschrieben worden sind, so vollmundig klang die dargebotene Version von „Berlin City Brass“.


Nach viel Applaus und zwei Zugaben entließen diese das Publikum in den Samstagabend und haben mit dem dargebotenen Eröffnungskonzert einen furiosen Start zum 8. Finsterwalder Kammermusikfestival geboten, der die Vorfreude auf die nachfolgenden Veranstaltungen verstärkte. Fünf Konzerte und drei Konzerte „Kammermusik junior“ folgen bis zum 7. April. Dazu gibt es zwei Kinderkonzerte.
Tickets gibt es vorab in der Touristinformation am Markt und online sowie an der Abendkasse unmittelbar vor Konzertbeginn, solange der Vorrat reicht.