Impressionen 2019

Freitag, 29. März 2019, 19.30 Uhr, Logenhaus

Sternstunde der Kammermusik in Finsterwalde

Das Duo Michael Barenboim und Natalia Pegarkova hat das Finsterwalder Publikum verzückt


130 Konzertbesucher im ausverkauften Finsterwalder Logenhaus erlebten am Freitagabend beim fünften Konzert des diesjährigen Finsterwalder Kammermusikfestivals eine besondere Sternstunde. Michael Barenboim mit Violine und Viola und Natalia Pegarkova am Klavier sorgten für großartigen Musikgenuss und Glücksmomente.


In den neun Jahren Kammermusikfestival in Finsterwalde erfüllten wohl noch nie so voluminöse und gleichzeitig einfühlsame Geigentöne den Logensaal, adäquat ergänzt und zum Jubilieren gebracht durch den Klavierpart von Natalia Pegarkova. Als Duo begeistern Michael Barenboim, der als einer der begabtesten klassischen Violinisten der jüngeren Generation gilt, und Natalia Pegarkova, die in Moskau mit dem Klavierstudium begonnen und es in Deutschland beendet hat, seit einigen Jahren das internationale Publikum. In Finsterwalde glänzten beide, die auch im privaten Leben ein Paar sind, mit einem wie aus einem Guss stammenden Zusammenspiel. Die Sonaten von Wolfgang Amadeus Mozart und Franz Schubert sowie Maurice Ravel schienen im besonderen Maße lebendig zu werden durch ihr Spiel.


„Seit neunzehn Jahren kennen wir uns mit Nassib“, verwies Michael Barenboim auf einen der Initiatoren  vom Finsterwalder Festival und erklärt damit, warum es ihnen Herzensangelegenheit ist, in Finsterwalde zu konzertieren. „Wir sind zum ersten Mal in der Stadt, danke dass wir mit Sonne empfangen wurden“, lächelte Natalia Pegarkova und meinte damit auch die tolle Stimmung im Logenhaus.


Dass sich beide wohl fühlten, merkte man ihrem engagierten, temperamentvollen und mit äußerster Präzision gespieltem Konzert an. Inspiriert von Mozarts Anbetung zweier junger Frauen in seiner 1778 komponierten Sonate C-Dur (1782 veröffentlicht) für Violine und Klavier, ließen Pegarkova und Barenboim ein flimmerndes Beziehungsgeflecht bis zur tänzerischen Ausgelassenheit im Finale ertönen. Der Sprung zu Franz Schubert als Patron des diesjährigen Festivals mit zwei Sonaten war nicht weit. Als „Grande Sonate“ für Schubert selbst machten Pegarkova und Barenboim mit sich durchdringenden Klangwelten die A-Dur Sonate eindrucksvoll erlebbar. Schließlich erinnerte Michael Barenboim mit Schuberts Sonate für Arpeggione und Klavier an ein fast vergessenes Instrument. Dass beide Musiker sich auch gern in der Moderne bewegen, bewiesen sie mit Maurice Ravels Sonate Postume ebenso gekonnt.


Nach langem und begeistertem Applaus kamen Natalia Pegarkova und Michael Barenboim nicht ohne Zugabe von der Bühne. Mit einem die Seele streichelnden Brahms-Stück schlugen sie bereits den Bogen zum kommenden Festivaljahr.


Begeistert von dem Konzert „als eines der großartigsten in der bisherigen Finsterwalder Festivalgeschichte“ zeigte sich Werner Grescho aus Doberlug-Kirchhain. Er kann das beurteilen, hat er doch in den neun Jahren kaum ein Festivalkonzert verpasst. „Ich finde großartig, was Finsterwalde mit den beiden künstlerischen Leitern Johanna Zmeck und Nassib Ahmadieh hier auf die Beine stellt.“

 

Jürgen Weser

 

Freitag, 22. März 2019, 19.30 Uhr, Logenhaus

„Die Dame hat sich in ein Schwein verliebt“

Großartig gesungen: Thomas Blondelle mit dramatisch-humorvollem Liederabend in Finsterwalde.

 

Der Liederabend gehört zum Programm des jährlichen Finsterwalder Kammermusikfestivals. Für die künstlerischen Leiter Johanna Zmeck und Nassib Ahmadieh ist das eine Selbstverständlichkeit. Obwohl das gesungene Lied nicht so gut angenommen wurde wie die instrumentalen Kammermusikangebote, haben sie sich nicht entmutigen lassen. Diesmal war der Liederabend so gut besucht wie noch nie zuvor. Mehr als achtzig Zuhörer erlebten im Logenhaus den belgischen Tenor Thomas Blondelle bei seiner gesungenen Reise durch Europa mit Abstecher nach Amerika. Begleitet wurde er von Daniela Musca am Klavier. Lieder zwischen Winter und Frühling und eine große Portion frühlingshafter Gefühle hatte der mehrfach preisgekrönte Sänger in die Sängerstadt mitgebracht. „Es ist mir eine Ehre in der Sängerstadt zu singen“, schmeichelte er am Freitagabend dem Publikum, unter dem gar nicht so viele der zahlreichen aktiven Sänger aus Finsterwalde zu finden waren. „Diese Stimme, die Wandlungsfähigkeit und die adäquate Mimik sind wundervoll“, schwärmte ein Zuhörer in der Pause. Thomas Blondelle bot keine bloße Aneinanderreihung von Opernarien, er entführte das Publikum in den Zauber des Liedes, das Geschichten mit großer Musikalität und stimmlicher Brillanz erzählt. Seine Reise startete beim Festival-Komponisten des Jahres. So plätscherte gleich zu Beginn dramatisch Schuberts „Launische Forelle“ durch den Saal mit den mitgedachten politischen Allegorien, gefolgt von „Rastlose Liebe“ mit virtuoser Klavierpartie für Daniela Musca, bevor sich der Winter mit gefrorenen Tränen noch nicht ganz abschütteln ließ. Schmunzeln im Publikum gab es beim „Vergeblichen Ständchen“ von Brahms wie bei Blondelle-Vertonungen zum Beispiel von Ringelnatz-Texten. Zwei Knaben schmachten sich an, aber dann ist doch ein Mädchen dabei.


Durch seine charmante Art gewann der belgische Tenor schnell die Sympathien der Zuhörer. Das blieb auch nach der Pause so, als er mit Liedern von Poulenc, Donizetti, Simson und Dougerty durch Italien und Frankreich zu den Briten wanderte, „so lange sie noch zu Europa gehören“. Englischen Verwirrungen scheinen nicht nur im Brexit zu liegen. Lustvoll sang Blondelle mit Augenzwinkern vom Irrtum der Dame, die sich in ein Schwein verliebt.


Am Freitagabend holte Blondelle mit seinem Gesang auch Amerika nach Europa. Kunstvoller Gesang des Tenors Blondelle traf auf vergnügliches Liedgut. Der Liederabend war bester Beleg für eine gelungene Symbiose zwischen Kunst und Unterhaltung.  Stürmischer Applaus, Füßetrampeln und das Finsterwalder Festbier als Gastgeschenk motivierten zu etlichen Zugaben.

 

Jürgen Weser

 

Sonntag, 17. März 2019, 16.00 Uhr, Logenhaus

Kammermusik junior

 

Preisträger aus dem Wettbewerb „Jugend musiziert“ und diverse Kammermusik-Besetzungen der Region stellten sich vor.

 

Freitag, 08. März 2019 – Klaviertrio Hannover

Klaviertrio mit Wucht und Empathie

 

Fünf Konzerte erlebt das für kammermusikalische Aufführungen bestens geeignete Logenhaus in diesem Jahr im Rahmen des nun schon neunten Festivals dieser Art in der Sängerstadt. Gleich der Start am Freitagabend sorgte für ein furioses Konzert vor ausverkauftem Haus. Das Klaviertrio Hannover sorgte mit temperamentvoller Wucht und auch einfühlsamen Vortrag für große Begeisterung beim Publikum, das aus dem gesamten Landkreis den Weg zum Festival gefunden hatte. Pianistin Katharina Sellheim forderte Lucja Madziar (Violine) und Johannes Krebs (Violoncello) zu engagiertem Zusammenspiel mit Beethovens Trio c-Moll und Bernsteins Piano Trio heraus, bevor das Trio nach der Pause dem durch das Festival führenden Komponisten Franz Schubert voller Empathie gekonnt mit seinem „Notturno“ D 897 huldigte. Nach dem Abschluss mit Debussys Trio G-Dur konnten die drei sympathischen Musiker den verdienten stürmischen Beifall in Empfang nehmen.

 

Jürgen Weser

 

Eröffnungskonzert, Samstag, 2. März 2019 – Ensemble Pontivello

Das Ensemble Ponticello aus Dresden begeistert zum Auftakt des Kammermusikfestivals 2019 in Finsterwalde.

 

Am Sonnabend eröffneten Bürgermeister Jörg Gampe und die künstlerische Leiterin Johanna Zmeck das 9. Finsterwalder Kammermusikfestival in der Trinitatiskirche. Franz Schubert begleitet mit seiner Klangvielfalt alle sechs Veranstaltungen des Festivals, das Kammermusik-Junior-Konzert wie auch die Kinderkonzerte. Mit dem Ensemble Ponticello aus Dresden war eine Formation eingeladen, die Kammermusik und Orchestrales verbindet.

 

Knapp 200 Besucher trotzten mit ihrem Besuch dem Karnevalstrubel des Tages und dürften ihren Besuch nicht bereut haben. Ponticello startete in Frankreich, führte die musikalische Reise nach Brasilien und landete nach der Pause bei Franz Schubert in Österreich. Die Musiker suchen den Brückenschlag (Ponticello) zum Publikum mit unterschiedlichen Besetzungen. So boten sie Franzis Poulenc Flötensonate, arrangiert für Streichquintett, dar und Kathrin und Daniel Bäz bewiesen mit Heitor Villa-Lobos Komposition auf Flöte und Fagott brasilianische Spontanität mit virtuoser Extraklasse.

Mit dem selten gespielten Oktett für Klarinette, Horn, Fagott und Streicher von Franz Schubert durften die Zuhörer einen besonderen Hörgenuss erleben. Extra für sein längstes Kammermusik-Stück mit sinfonischen Zügen in dieser Besetzung zusammengestellt, gelang Ponticello sowohl Schuberts klanglich-harmonische Klangbreite und Bläser mit Streichern zu einem wundervollen Klangteppich zu verschmelzen. Der „Brückenschlag“ von Musikern und Publikum war gelungen. Begeisterter Applaus bewies es.

 

Johanna Zmeck und Nassib Ahmadieh konnten sich als Macher des Festivals über den gelungenen Start freuen. Mit Hilfe der Stadt und zahlreicher Sponsoren haben sie ein Festivalprogramm in gewohnter Qualität und mit neuen Akzenten vorbereitet. Besondere Klangeindrücke wird das Faboi Doppelrohrquartett am 15. März im Logenhaus bieten, wo das Konzert am 29. März mit Michael Barenboim und Natalia Pegarkova so gut wie ausverkauft ist. Ein besonderes Bonbon will der belgische Tenor Thomas Blondelle mit seinem Liederabend am 22. März bieten. Schon am kommenden Freitag ist das Klaviertrio Hannover zu Gast. Wie immer wird das Weimarer Klavierquartett mit einem Gast beim Finale zu hören sein.

 

Jürgen Weser