Kammermusik Festival
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5. bis 21. März 2027
Liebe Freunde der Kammermusik,
wir freuen uns, Sie herzlich zum 17. Finsterwalder Kammermusik Festival 2027 in der Kulturweberei einzuladen.
Unter dem Titel „virtuos“ präsentieren sich die eingeladenen Ensembles in einzigartiger Weise.
Das alte Virtuosentum soll dabei nicht etwa neu belebt und Brillanz, Perfektionismus und Schnelligkeit der Musizierenden in den Mittelpunkt gerückt werden. Es ist nicht unser Anliegen, Ihnen die
technischen Fähigkeiten der Musizierenden vorzuführenselbst wenn alle von uns eingeladenen Ensembles dazu natürlich in der Lage wären. Viel mehr geht es uns um das wunderbare Zusammenspiel von
dreierlei Dingen: die notwendige spielerische Fertigkeit der einzelnen Instrumentalistinnen und Instrumentalisten, das sich unterordnende Miteinander, wie es die Kammermusik fordert und schließlich
die meisterhaft gearbeiteten Kompositionen. Wir möchten den Begriff „virtuos“ neu denken und vermitteln. Außerdem werden viele Werke von teilweise noch unbekannten Komponistinnen zu hören sein, was
uns ebenfalls ein besonderes Anliegen ist.
Durch die Jahrhunderte hinweg sind Menschen von meisterhaften Leistungen im künstlerischen, architektonischen, akrobatischen oder literarischen Kontext beeindruckt. Insbesondere wenn all das mit scheinbarer Leichtigkeit und spielerischer Raffinesse vorgetragen wird. Heute finden wir genau dieses, gepaart mit schier unfassbarer Perfektion, im Internet mit zahllosen Videos, Livemitschnitten, Fotos etc., wobei die Glaubhaftigkeit mehr und mehr in Frage gestellt werden kann. Auch die Fähigkeiten und Fertigkeiten der Musikerinnen und Musiker sind heute viel weiter vorangeschritten. Häufig wird schneller und lauter gespielt, mit genau einstudierter Bewegungschoreografie und abgestimmter Mimik und Gestik - passend zu unserer heutigen Zeit.
Robert Schumanns Cellokonzert beispielsweise blieb im 19. Jahrhundert 16 Jahre wegen technischer Unspielbarkeit unaufgeführt. Heute ist es eines der Probespielstücke für Studierende, um in Orchestern aufgenommen zu werden. Der Interpret und die Interpretin stehen damit mitunter mehr im Mittelpunkt als die Komponistin oder der Komponist. Natürlich sind uns in der Kammermusik Grenzen gesetzt, denn jedes Instrument bekommt einen oder mehrere gleichberechtigte Spielpartner. Sie interagieren konzertierend miteinander, fordern und aktivieren sich gegenseitig. Genau darin liegt die Virtuosität der Kammermusik!
Ludwig van Beethoven als Wegbereiter aus der Wiener Klassik heraus in die Romantische Musik hinein, schaffte in seinen komponierten Solokonzerten bereits ein mehr sinfonisch anmutendes Miteinander zwischen Solistin und Orchester als noch seine Zeitgenossen Mozart oder Haydn. Vor allem in Beethovens Violinkonzert oder in seinem Tripelkonzert ist das besonders zu bemerken. Aus diesem Grund passt es besonders gut, dass wir im kommenden Jahr seinen 200. Todestag als Jubiläum zum Anlass nehmen, seine Werke besonders in den Fokus zu rücken und mit unserem Thema „virtuos“ zu verbinden.
Im Eröffnungskonzert haben wir das bei unserem Festival bereits geschätzte Amalia Streichquartett zu Gast - Musikerinnen aus der Staatskapelle Weimar um die Stimmführerin der zweiten Geigen, Barbara Seifert.
Ihr letztes Konzert bei unserem Festival war ein sehr intensives Konzert während des Lockdown-Festivals 2021 und leider nur online zu erleben.
Ihr diesjähriges skandinavisches Programm beinhaltet neben den bereits bekannten Komponisten Edvard Grieg und Niels W. Gade auch das Streichquartett der weniger bekannten schwedischen Geigerin und Komponistin Amanda Maier. Obwohl das Streichquartett als Gattung von Joseph Haydn als Paradebeispiel von Gleichberechtigung aller Stimmen hervorzuheben ist, wird dennoch besonders in diesem Programm bei Griegs Werk die Virtuosität und Spielfähigkeit der 1. Violine hervorgehoben.
Im zweiten Konzert mit unserem eigenen Ensemble, dem Weimarer Klavierquartett, widmen wir uns in der ersten onzerthälfte Ludwig van Beethoven mit seinem Klavierquartett op. 16 womit wir versuchen wollen, beiden Schwerpunkten unseres diesjährigen Festivals gerecht zu werden. Dem ist das große Klavierquartett in G-Dur von Emilie Mayer gegenübergestellt. Von einer Zeitgenössin wurde sie als der „weibliche Beethoven“ betitelt und ist eine der wenigen Frauen, welche schon zu Lebzeiten aufgeführt und verlegt wurde. Ergänzt werden die beiden Werke von dem kurzen Spanischen Quartett von Louise Heritte-Viardot, welche ebenfalls eine Romantikerin mit spanischen Wurzeln ist. Sie dürfen also auf ein abwechslungsreiches Programm gespannt sein.
Das zweite Konzertwochenende wird eröffnet mit der spektakulären und interessanten Besetzung des Trio Vertimus. Die Konzertmeisterin der Philharmonie Gera-Altenburg Judith Eisenhofer sowie der Solohornisten Luis Ospina desselben Orchesters konzertieren gemeinsam mit dem russischen Pianisten Mikhail Kambarov Werke von Johannes Brahms und Robert Schumann. Das berühmte Horntrio von Johannes Brahms für ebenjene Besetzung bildet dabei den Höhepunkt des Konzerts und ist lang gehegter Wunsch des Künstlerischen Leitung.
Mit dem belgischen Ryelandt Trio und dem bereits aus 2019 bekannten und international agierenden Tenor Thomas Blondelle stehen das vierte Konzert und die beiden Kinderkonzerte ganz im Zeichen des Komponisten Beethoven. Der sicher sehr unterhaltsame Abend wird geprägt sein von Auszügen aus Beethovens Trios, Bearbeitungen seiner Sinfonien und Liedern in verschiedenen Besetzungen. Mit der fantasievollen und abwechslungsreichen Moderation Thomas Blondelles tauchen wir ein in Beethovens Wirken, Schaffen und lernen ihn als Mensch besser kennen.
Am dritten und letzten Konzertwochenende geben wir mit dem Leipziger emBRASSment Ensemble den in der Kammermusik selten vertretenen Blechbläsern Raum, ihre Virtuosität zu präsentieren. Mit dem Programmtitel „Es war einmal…“ verbindet das Ensemble um den Posaunisten Lars Proxa märchenhafte klassische Kompositionen mit unterhaltsamen Werken aus Lateinamerika.
Einen Abschluss der besonderen Art bildet das letzte Konzert in dieser Saison mit dem Freien Ensemble Dresden mit Solobläsern und Streichern der Philharmonie Dresden und zwei selten gespielten Werken. Mit dem großen Septett op. 20 für Klarinette, Horn, Fagott, Violine, Viola, Cello und Kontrabass von Ludwig van Beethoven wird auch hier wieder der Bogen zwischen dem Jubilar und dem virtuosen Miteinander von Streichern und Bläsern geschlagen. In der zweiten Konzerthälfte erweitert sich das Ensemble mit Flöte und Oboe und bringt das Nonett der französischen Komponistin Louise Farrenc aus der Romantik mit klassischen virtuos konzertanten Zügen zu Gehör. Diese große besondere Besetzung mit hervorragenden Musikerinnen und Musikern aus Dresden bildet somit den grandiosen Abschluss unseres Festivals 2027.
Auch in diesem Jahr bietet die Kulturweberei vor den drei Sonntagskonzerten den Konzertgästen die Möglichkeit, sich bei Kaffee und Kuchen ab 15.30 Uhr in der Shedhalle auf das Kammerkonzert einzustimmen. Im Anschluss an die Konzerte gibt es außerdem stets die Möglichkeit, mit den Musikerinnen und Musikern ins Gespräch zu kommen.
Wir freuen uns auf ein abwechslungsreiches Programm unter dem Titel „virtuos“ und auf Ihr Kommen.
Ihre künstlerische Leitung
Johanna Zmeck und Nassib Ahmadieh
mit der Stadt Finsterwalde als Veranstalter
Kammermusik Festival
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